Couscous des pauvres

Die Schwestern Aminata und Fatimata Keita, 33 und 32 Jahre alt, stammen aus einem Dorf kurz hinter Siby in Richtung Guinea. Beide sind nie zur Schule gegangen, beide leben seit langem in Kanadigila, einer Gemeinde von Kati, am westlichen Rand von Bamako in Richtung Siby gelegen, günstig für ihren Handel mit alten baguettes aus den Bäckereien der Hauptstadt. Diesen Handel haben sie von ihrer Mutter übernommen.

Jeden Donnerstag und Freitag kaufen sie in den boulangeries von Bamako die übrig gebliebenen Weißbrote auf, brechen sie in ellenlange Stücke, packen diese in große Säcke, transportieren die Säcke nach Siby und verkaufen das alte Brot am Samstag auf dem dortigen Wochenmarkt.

Aminata und Fatimata Keita sind seit sieben Uhr früh auf dem Markt. Aminata hat heute dreißig Sack, Fadimata vierzig Sack zum Verkauf. Bis jetzt, gegen elf Uhr, sind mehr als zwanzig Sack bereits weggegangen. Ihr Geschäft ist en gros (per Sack). Nebenan wird auch en détail angeboten, drei bis vier Stücke alter baquettes zu 100 FCFA (15 Cent).

Für einen großen Sack alten Weißbrots zahlen die beiden Schwestern 2.000 bis 2.250 FCFA (3 Euro) und können diesen für 3.000 FCFA (4,50 Euro) weiter verkaufen. Von ihrer Marge müssen sie die Transportkosten tragen, aber selbst dann noch kein schlechtes Geschäft verglichen mit den geringen Gewinnspannen manch anderer Händlerinnen. Zudem ist ihre Ware leicht, einfach zu transportieren und sauber dazu.

Zu Hause zerreiben die Frauen das trockene Brot und mischen leicht geröstete, zermahlene Erdnüsse darunter. Im trockenen Zustand lässt sich die daraus entstehende Mischung längere Zeit lagern. Sie nennen es Couscous. „Ein Gericht für die Armen“ sagen die Frauen, „Reiche essen so was nicht“.

So werden die Überschüsse aus Bamako in der Küche der Armen verwertet. Ein Überflussphänomen der städtischen Gesellschaft, im Norden Malis völlig unbekannt.

 

Couscous des pauvresCouscous des pauvres

11 / April 2018