Räucherfisch

Was sich am Markttag am Stand von Cany Keita abspielt, muss die anderen Händlerinnen vor Neid erblassen lassen. Sie ist umlagert von Frauen; kein Moment ohne Kundin „von morgens acht bis abends fünf“, denn so lange ist sie auf dem Markt. Sie verkauft nur ein einziges Produkt: geräucherten Fisch. Ihre Kunden sind ausschließlich Frauen.

Cany Keita sitzt an der Schmalseite eines großen Tisches. Auf ihm ist Räucherfisch in großen Mengen ausgebreitet. Nicht weit von ihr steht ein hoher, großer, stabiler Karton. Jetzt am Nachmittag ist er nur noch zu einem Drittel gefüllt. Ihr schräg gegenüber sitzt ein junges Mädchen (mit rosa T-Shirt). Es füllt jeweils fünf bis sechs kleine geräucherte Fische in Plastiksäckchen. Solche Portionen kosten 200 FCFA (30 Cent), Würze der Soße für eine Mahlzeit. Das ist die Menge, die die meisten Frauen kaufen. „Die Frauen, die es ich leisten können, nehmen die großen Portionen zu 500 FCFA (75 Cent)“. – Wird ein ganzes Kilogramm verlangt, kommt die hellblaue Waage zum Einsatz. Dann wird die Plastikschüssel bis zum Rand gefüllt. Ein Kilogramm kostet 3.750 FCFA, fast sechs Euro.

Den Handel mit geräuchertem Fisch hat Cany Keita von ihrer Mutter übernommen und ausgebaut. „Seit ich aus der Schule bin, mache ich das.“ Ihre Mutter kaufte und verkaufte geräucherten Fisch nur in Bamako. Cany Keita hingegen fährt zwei Mal im Monat nach Mopti und kauft direkt am Hafen ein; immer vom gleichen Großhändler.

Pro Monat nimmt sie zehn große Kartons ab. Damit bedient sie drei zusammen-hängende Wochenmärkte: Am Samstag den in Siby, am Montag den in Bankoumana (je ein Karton); am Freitag den in Naréna (ein halber Karton). Geräucherter Fisch dieser Sorte hält sich zwei Monate.

Ein solcher Karton voll Räucherfisch kostet 400.000 FCFA (600 Euro). Die fünf Kartons pro Einkauf kosten zwei Millionen FCFA (3.000 Euro). Eine bis anderthalb Millionen zahlt Cany Keita vorab, der Rest geht auf Kredit. Mit dem fortlaufenden Verkauf zahlt sie den Händler per Mittelsmann in Raten, das Geschäft läuft auf Vertrauensbasis. So wird fast aller Handel in Mali abgewickelt.

„Je trouve ma vie la dedans“, das Geschäft finanziert meinen Lebensunterhalt, sagt Cany Keita. Ihr Verkaufsgeheimnis ist einfach: Statt 4.000 FCFA für das Kilogramm wie die anderen, verlangt sie nur 3.750 FCFA. Die Menge macht’s möglich.

Cany Keita ist Malinke, fünfzig Jahre alt, wohnt in Bamako-Seberincoro, nicht weit von der Straße nach Siby und spricht französisch. Ihr Mann war früher beim Militär, „jetzt ist er zu Hause“. Sie haben sechs gemeinsame Kinder, drei Jungen und drei Mädchen.

 

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13 / April 2018