Kräuterfrau

Am Rande des turbulenten samstäglichen Wochenmarktes auf einem schmalen Sandweg unter schattenspendenden Bäumen sitzt Zita Diakité, „une femme des herbes“. Hier, an ihrer angestammten Stelle, hat sie Platz, ihre Waren auszubreiten; eine Fulbe-Frau aus dem Busch, ihre Amulette, Ketten, Fingerringe und Armreifen, die Insignien einer Schamanin.

Zita Diakité kommt jeden Markttag aus ihrem Dorf, in Richtung Guinea, „un peu loin“. Frauen und vor allem junge Mädchen bringen ihr, was sie die Woche über gesammelt haben: Kräuter, Blätter, Zweige (zur traditionellen Zahnreinigung), Stängel oder Wurzeln – gebündelt auf je eigene und vermarktet auf immer gleiche Weise: „vier für fünfzig“ oder ähnlich.

Zita Diakité verkauft traditionelle Medizin: Kankaliban (combretum micranthum), einen Busch-Tee, in kleinen Bündeln. Die Blätter kocht man auf; ein altbewährtes Hausmittel bei Malaria. In vielen Familien der Bambara und der Malinke gehört dieser Tee zum alltäglichen Gebrauch, ein Krug davon steht immer im Haus, „Du trinkst davon und wäschst Dich damit; selbst Minister vergessen das nicht.“

Auf dem Rucksack vor Zita Diakité liegt ein Bündel gedrehter Süßgras-Wurzeln (vetiveria zizanioides). Sie enthalten ätherische Öle. Zwei, drei Stücke davon fügt man dem Trinkwasser bei. Das verbessert den Geschmack. Wegen der aphrodisischen Wirkung wird es jung Vermählten gerne empfohlen; drei Stangen à 50 FCFA (8 Cent).

Als drittes sieht man in Zitas Hand (Bild rechts unten) kleine Bündel von Fäden einer immergrünen Schlingpflanze (cassytha filimorfis). Die langen Triebe dreht man zu  Nestern. Verbrennt man diese, setzt das die darin enthaltenen ätherischen Öle frei. Der Rauch verbreitet einen angenehmen Duft. Er vertreibt böse Geister und regt Lebensgeister wie Verdauung an. Man sagt ihm auch antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung nach; das Knäuel à 25 FCFA (4 Cent).

 

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28 / November 2018