La présidente

Djenebou Koné kam Anfang der 1950er Jahre im Dorf Samako, 15 Kilometer südlich von Siby, zur Welt. In Samako gab es keine Schule. Die nächste lag fünf Kilometer entfernt. Nur wenige Mädchen und Jungen gingen den langen Weg. Djenebou gehörte nicht dazu. Abends hielten die älteren Schüler im Dorf einen ko-edukativen Unterricht ab. An dem nahm Djenebou eine Zeit lang teil.

Mit vierzehn Jahren wurde Djenebou einem Cousin aus Siby zur Frau gegeben. Dessen Mutter hatte sie zur zweiten Frau ihres Sohnes Koloba Kamara ausgewählt, mehr als fünfzig Jahre alt und Bauer. Djenebou zog zu ihm nach Siby und wohnte im gleichen Hof, wie dessen erste Frau mit deren vier Kindern. Hier lebt sie noch heute. Koloba Kamara verbrachte jeweils zwei Nächte mit ihr und zwei Nächte mit seiner ersten Frau. Djenebou gebar ihm neun Kinder. „Am Tag, als Modibo Keita verhaftet wurde, war ich drei Jahre verheiratet und Mutter von drei Kindern.“ *

Koloba Kamara – sein älterer Bruder der chef de village – war Sekretär der bezirklichen Jugendorganisationen, zuständig für die 61 Dörfer des damaligen arrondissement. „Er war ein herausragender Bauer. Er achtete auf die Fruchtfolge und erneuerte regelmäßig das Saatgut: Erdnüsse, Hirse, Süßkartoffeln, Okra, Bohnen, Kichererbsen und Yam“. Aus dieser Zeit stammt Djenebous profunde Kenntnis der Landwirtschaft.

Als Koloba Kamara um die Jahreswende 1984/85 starb, „einen Monat nachdem der FCFA wieder eingeführt wurde“, war Djenebou 33 Jahre alt. Ein Jahr später wurde sie als dritte (von später vier) Ehefrauen dem Cousin ihres verstorbenen Mannes, Fafra Kamara, angetraut. Auch er deutlich älter, „aber nicht so alt wie mein erster Mann“. Mit ihm hatte sie drei weitere Kinder. Fafra Kamara starb im vergangenen Jahr.

Die familiäre Hinterlassenschaft umfasst fünfzehn Hektar. Heute bewirtschaftet Djenebou nur noch einen halben Hektar: Erdnüsse, Mais und Hirse. Das übrige Land nutzen ihre Kinder und benachbarte Bauern. Sie verlangt keine Pacht, aber manche  Nutzer zeigen sich in Realien erkenntlich.

Gesellschaftliche Verantwortung wuchs Djenebou durch die Funktion ihres Mannes als Jugend-Sekretär zu. Es machte ihr Spaß, Jugendliche zu empfangen, für sie zu kochen, mit ihnen zu sprechen und Veranstaltungen zu organisieren. Gewählt wurde sie wegen ihres Organisationstalents, ihrer Ehrlichkeit und weil sie Vertrauen erweckt.

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Die Kommune von Siby umfasst 21 Dörfer und hat ebenso viele associations feminines. Djenebou Koné ist seit mehr als zwölf Jahren die Präsidentin dieser Frauengenossenschaften und -vereine, die Coopérative de Production de Karité mit mehr als eintausend Mitgliedern ist die größte unter ihnen. Djenebous Aufgabe ist es, deren Interessen zu vertreten, Informationen weiterzuleiten und Kontakt zu halten.

* In der traditionellen Gesellschaft Malis erinnert man nicht Jahreszahlen, sondern einschneidende Ereignisse. Der erste und sozialistische Präsident Malis wurde am 28.11.1968 verhaftet.

 

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32 / Januar 2019