Récréation

Die Schule von Siby liegt etwas zurück gesetzt an der Hauptstraße. Man fährt ohne sie groß zu bemerken vorbei; es sei denn, man kreuzt den Weg um zehn Uhr, wenn die große Pause beginnt. Dann strömen hunderte von Kindern und Jugendlichen auf den Schulhof, eine bunte Mischung von Jungen und Mädchen.

Vorne am Schultor sitzen ein Dutzend Frauen an niedrigen Tischen; selbst die Jüngsten können das Angebot gut überblicken. Hier gibt es, was Kinder für kleinste Münzen kaufen können: Ein Stückchen lokale Kartoffel (Danga) zu 5 FCFA oder ein Eckchen Brot, in Soße getunkt, für 10 FCFA.

Eine der Verkäuferinnen ist Mariam Diallo, 52 Jahre alt, Mutter von drei Kindern. Ihr Ehemann ist Lehrer an dieser Schule. Sie stammt aus Kati. Dort hat sie neun Jahre lang die Schule besucht. Seit zwanzig Jahren bietet sie an jedem Schultag immer die gleichen vier Naschereien aus eigener Fertigung feil, jede zu 25 FCFA (4 Cent): ein kleines Tütchen gerösteter Erdnüsse, ein noch kleineres Tütchen mit gerösteten und gezuckerten Erdnüssen, ein Plastiktütchen mit Popkorn oder ein Papiertütchen mit gezuckertem Puder aus den Früchten des Baobab (Affenbrotbaum).

Alle Schulkinder verlangen morgens vorm Verlassen des Hauses ihr Pausengeld; immer den gleichen Betrag. Ohne diese Münze weigern sie sich, zur Schule zu gehen. Die meisten Kinder haben 50 FCFA in der Tasche, mindestens aber 25 FCFA; größere zuweilen bis zu 200 FCFA (30 Cent).

Ähnliche Szenen spielen sich übrigens landesweit vor jeder Schule in Mali ab.

Récréation heißt die Pause auch auf Bamana oder Malinke ebenso wie in allen anderen Landessprachen. Ein vernakuläres Synonym gibt es nicht. Woher denn auch? Bevor die Franzosen kamen, gab es weder Schule noch Pause.

 

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39 / Juni 2019