Maternité

Im Centre de Santé, dem Gesundheitszentrum von Siby, leitet Anne Marie Keita die Entbindungsstation. Sie ist Anfang dreißig und stammt aus Kati. Nach dem Abitur absolvierte sie am Institut National de formation ancienne de la Santé eine dreijährige Ausbildung zur Hebamme. Eigentlich wollte sie Ärztin werden. Ihr Ehemann ist Arzt in Kati. Mit ihrer gemeinsamen kleinen Tochter nimmt sie das wöchentliche Pendeln der achtzig Kilometer zwischen Siby und Kati auf sich.

Siby hat eine kleine Matérnité mit vier Betten und einem Gebärraum. „Jede Woche kommen hier zwischen sechs und zehn Kinder zur Welt.“ Während ihrer dreijährigen Tätigkeit in Siby wurde Anne Marie Keita nur zweimal zu einer Hausgeburt gerufen. Ob traditionelle Hebammen in den umliegenden Dörfern tätig sind, weiß sie nicht.

„Die Gebärenden kommen spät. Die Frauen kommen meist schon zwei, drei Stunden nach ihrer Aufnahme nieder.“ Danach bleiben die Frauen noch einen halben Tag, wer die Zeit zum Ausruhen hat, kann bis zu achtzehn Stunden bleiben. Eine Geburt kostet 2.500 FCFA (3,75 Euro) und ist „avant la sortie“ zu zahlen, also vor der Entlassung. Die vier Vorsorgeuntersuchungen kosten 1.500 FCFA (2,25 Euro).

„Mädchen werden früh verheiratet, ab fünfzehn oder sechzehn Jahren“, sagt Anne Marie Keita. Die Schwangeren sind zwischen sechzehn und vierzig Jahre alt, manchmal sogar bis fünfundvierzig; selten unter fünfzehn. Uneheliche Kinder gibt es fast nicht. Familienplanung ist heute dank des Programms ‚Blue Star’ über Radio und Fernsehen weit verbreitet. Plakate hängen in den Schulen, “alle sind informiert“.

„Die Mädchen und Frauen, die zu uns kommen, sind alle beschnitten, Ausnahmen sind äußerst rar“, sagt die Hebamme. „Wir unternehmen alles, um Komplikationen zu vermeiden.“

Einen Moment später fügt sie hinzu: „Unsere Tochter ist nicht beschnitten. Obwohl die ganze Familie darauf gedrungen hat. Dafür hat mein Mann gesorgt.“ – Sie selbst sei auch nicht beschnitten, sagt Anne Marie Keita noch.

Auf der Terrasse vor dem Gebäude der Maternité sitzen zehn junge Frauen über ihrem Prüfungsbogen (Bild unten rechts), Teil ihrer Schlussprüfung zur Hebamme.

 

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44 / Oktober 2019