Griotte

So wie Kendja Soumaro ihr Alter beschreibt, ist sie Anfang der 1940iger Jahre in eine Familie von forgerons (Schmieden) geboren, im Dorf Narena, einige Kilometer westlich von Siby. Als sie heiratete, zog sie zu ihrem Mann nach Siby. Sie ist Mutter von fünf Kindern.

Ihr verstorbener Ehemann war Bauer und zugleich griot (Barde). Er schlug den tambour, die kleine Trommel, und erleichterte den Anderen die Arbeit auf dem Feld, indem er den Arbeitsrhythmus vorgab.

Ihre Schwiegermutter war eine bekannte griotte. Sie brachte Kendja Soumaro bei, wie man singt und trommelt und weihte sie in viele Geheimnisse der griottes ein. Kendja ging mit den Frauen aufs Feld und schlug die Trommel pour les encourager. „Das hat mir großen Spaß gemacht und so blieb es mein Leben lang. So bin ich griotte geworden.“

In weitere Rollen der griotte wuchs sie allmählich hinein: Hochzeiten und Taufen ein Gepräge geben, große Persönlichkeiten gebührend empfangen. Im malischen Leben sind wichtige Anlässe ohne griotte oder griot undenkbar. Zu den Höhepunkten jedes Festes zählen die Lobgesänge auf anwesende Persönlichkeiten, beileibe nicht immer gewollt oder geschätzt. Da geht es hoch her und da liegt die Macht in der Kehle der griotte. So ein Loblied kostet seinen Preis: zehntausend FCFA (15 Euro), „wenn der besungenen Person die Euloge gefällt“.

Für ihre Tätigkeit als griotte gibt es keine festen Preise. Manche geben Geld, fünfhundert, tausend oder besser gestellte sogar fünftausend FCFA, oder ein Stück Stoff oder etwas von der Ernte, z.B. Reis und Erdnüsse.

Seit kurzem hat Kendja Soumaro ein Handy, Geschenk einer ihrer Söhne. Ihre Telefonnummer steht jetzt in großen Lettern an der Hauswand. „Mani“ heißt Oma.

Griotte

Griotte

46 / Januar 2020