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Fin Fin (wörtlich: schwarz, schwarz) nennen nur noch die Alten die Holzkohle. Heute hat sich die französische Bezeichnung durchgesetzt: charbon. Auf den Wochenmarkt von Siby kommt diese hauptsächlich aus westlich in Richtung Guinea gelegenen Dörfern.

Seine Sammelstelle neben der Asphaltstraße betreibt Abdoulaye Traoré gegenüber dem Dorf Tabou. Männer und Frauen bringen ihm die Säcke aus dem Busch per Eselskarren oder Fahrrad. Sie wissen: Hier wird bar bezahlt – im April zwischen 2.500 und 2.750 FCFA pro Sack (3,80 – 4,20 Euro).

Das Gewicht der Säcke variiert zwischen 45 und 50 Kilogramm; mangels Waage geht es nach Augenschein. Sobald Herr Traoré genügend Säcke Holzkohle für eine LKW-Ladung beisammen hat, ruft er den Transporteur. Der Lastwagen wird gerade mit dreihundert Sack Holzkohle beladen. Als Handlanger unterhält Abdoulaye Traoré einen Trupp junger Männer. Die türmen die Säcke bis in schwindelnde Höhe. „Ich gebe ihnen zu essen und komme für ihre Alltagsausgaben auf.“ Für die siebzig Kilometer bis Bamako zahlt er 100.000 FCFA (150 Euro) plus den Treibstoff.

Markttag in Siby: Zwei Aufkäuferinnen von Holzkohle aus Bamako. Die eine, Chantale, kauft jeden Samstag vierzig Sack, ihre Kollegin sechzig. „Kurz nach der Regenzeit und bis zum Ende der ‚kühlen’ Jahreszeit (Januar) sind die Preise für Holzkohle am höchsten.“ Anschließend geben sie etwas nach. Chantale schickt die Säcke auf ihren Hof in Srebenikro, einen Stadtteil von Bamako. Von dort aus verkauft sie in die Nachbarschaft. Für den Sack erzielt sie im Schnitt 4.500 FCFA (knapp sieben Euro). „Mir bleiben davon rund 1.000 FCFA pro Sack“ (1,50 Euro).

Auf dem Lande kann man es sich nicht leisten, mit Holzkohle zu kochen. Das wäre zu teuer. Man legt drei Holzprügel sternförmig unter den Kochtopf und schiebt nach, soweit sie verbrannt sind. In der erkaltenden Glut bleibt immer etwas Holzkohle übrig; genug, um damit den Tee zuzubereiten.

In der Stadt hat man auf begrenztem Raum nur die Möglichkeit, mit einem eisernen kleinen Herd, einem foyer amélioré mit Holzkohle zu kochen. Und das tun viele. So erklären sich die tausende von Säcken Holzkohle, die alleine von Siby aus Woche für Woche in die Hauptstadt gehen.

 

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51 / Mai 2020