Subsistenz

Der Alltag der Frauen in Siby spiegelt den Umbruch von der Subsistenzwirtschaft zur modernen Geldwirtschaft. Zum Beispiel Korotoumou Doumbia, Mitte vierzig, nie zur Schule gegangen, mit vierzehn Jahren als zweite Ehefrau ihrem fünfzehn Jahre älteren Ehemann angetraut, Mutter von sechs Kindern und an harte Arbeit gewohnt.

Die wirtschaftliche Basis ihres Lebens ist die Subsistenzwirtschaft: der Maisanbau der Männer – davon isst der Clan das ganze Jahr – und ihre Selbstversorgung mit Feuerholz (Blog 48). Dazu zählt auch das Kochen selbst: Ein Mal pro Woche, jeden Donnerstag, ist es an Korotoumou, für die 62 Mitglieder der Großfamilie zu kochen. Die pro Mahlzeit notwendigen zwanzig Kilogramm Mais hat ihr Ehemann beizusteuern, die Zutaten zum Kochen (condiments) sind ihre Sache: Gewürze, Gemüse, Räucherfisch; für all das braucht sie Geld wie auch für Kleidung und Schulgebühren der Kinder.

Ihrem Hof ist abzulesen, welche jahreszeitlichen Arbeiten anstehen und womit sich gerade Geld verdienen lässt. Bargeld ist immer rar. Um etwas einkaufen zu können, muss Korotoumou zunächst etwas verkaufen; mal von ihr selbst gefertigte Handbesen, mal von ihr gesammelte Kariténüsse, mal von ihr hergestellte Karitébutter, mal von ihr geschälte Erdnüsse.

Im Haushalt von Korotoumou gibt es nichts, was ihr Leben oder ihre Arbeit erleichtert, und deshalb auch nichts, was den Wert ihrer Arbeit steigert. Es geht immer um einfachste Handarbeit, die nicht nur in ihrem Fall dürftig vergütet wird, sondern bei allen anderen ungelernten Landfrauen auch. Der Tagelohn eines jungen Mädchens das Erdnüsse schält und wörfelt, liegt bei 1.000 FCFA (1,50 Euro). Mit Erfahrung, Geschick und Fleiß bringt Korotoumou es vielleicht auf das Doppelte.

Übers Jahr gesehen handelt es sich um Kleinunternehmerinnen mit vielseitigen Talenten, die sich zwischen (traditioneller) Subsistenzwirtschaft und (moderner) Geldwirtschaft zwar gestanden und selbstbewusst behaupten, aber mangels Bildung und Ersparnissen keine Chance haben, der Tretmühle des Alltags auf Armuts-Niveau zu entkommen.

 

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52 / Juni 2020