Benkadi 2

Die Erdnussernte hat in der zweiten Oktoberhälfte begonnen und dauert bis Ende November. In Haus und Hof erledigen die Frauen jetzt nur das Notwendigste. Kurz vor Mittag machen sie sich auf den Weg zu den Feldern, unwegsam zu erreichen und oft Kilometer entfernt. Die kleinen Kinder nehmen sie mit.

Eine Wegstunde von ihrem Dorf Kalassa entfernt sitzen im Schatten eines weit ausgreifenden Baumes 25 Frauen um einen mannshohen Haufen trockener Erdnusspflanzen, eine Woche vorher aus der Erde gezogen; nicht weit entfernt, unter einem kleinen Baum, weitere fünf Frauen, alle mit der gleichen Arbeit beschäftigt: Strunk für Strunk zupfen sie die Erdnüsse aus dem Wurzelwerk. Die abgeernteten Strünke werfen sie hinter sich. Und so wie der Haufen in der Mitte abnimmt, wächst hinter jeder Frau ein anderer.

Heute handelt es sich um den Ertrag eines Hektars. Der gehört Djenneba Sinaba, Mitte dreißig (Foto). Dafür brauchen die Frauen einen Tag. Morgen geht es auf das Feld einer anderen Frau ihrer Vereinigung Benkadi. Die besteht aus diesen dreißig Frauen. (Die dreizehn Frauen, über die Blog 49 berichtete, sind derjenige Teil ihres Benkadi, der sich um das Kochen und das Brennholz kümmert.)

Kalassa ist ein sozial intaktes Malinke-Dorf. Hier herrschen afrikanische Solidarität, unbedingte gegenseitige Hilfe und selbstverständliche Zusammenarbeit. Die gesellschaftliche Kooperation ist integraler Bestandteil ihres Lebens. Die harsche Umwelt wäre anders nicht zu bewältigen. Zusammenarbeit in Gruppen ist deshalb unerlässlich und macht den Arbeitsalltag überhaupt erträglich. Kooperation braucht hier niemand einzuüben, sie ist Teil des Schicksals.

 

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55 / November 2020