Ein landwirtschaftliches Ausbildungszentrum in Mali

(Stand: Februar 2020)

Im Centre de Formation Professionelle en Transformation Agro-Alimentaire in Siby, kurz  Centre Agro-Alimentaire Siby (CAAS) sollen Frauen mit Methoden der Bodenverbesserung; modernen, produktiven und nachhaltigen landwirtschaftlichen Anbau- und Produktionstechniken, sowie Verfahren der Lebensmittelverarbeitung und -konservierung praktisch vertraut gemacht werden. Dazu gehören auch der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und die Nutzung moderner Kommunikationsmedien für die Vermarktung.

Das CAAS entsteht in Siby, einer ländlichen Kleinstadt sechzig Kilometer südwestlich von Bamako, direkt an der Nationalstraße Nr. 5; ein Knotenpunkt auf dem Weg nach Guinea. Hier findet jeden Samstag der größte Wochenmarkt südwestlich von Bamako statt. 

Der Präfekt von Kati (Hauptstadt der Präfektur) überschrieb uns ein sechs Hektar großes, ebenes, baumbestandenes und rundum geeignetes Gelände für den landwirtschaftlichen Lehrbetrieb und die Werkstätten zur Weiterverarbeitung.

Die Gemeinde Siby stellte uns zwei Kilometer südwestlich ein einen Hektar großes Gelände für den schulischen Teil zur Verfügung, den Campus des CAAS. Die Bauarbeiten haben im Oktober 2018 begonnen, im Januar 2019 wurde offiziell der Grundstein gelegt. Inzwischen ist die Baustelle des Campus beim fünften von insgesamt sechs Bau-Losen angekommen, wir befinden uns also auf der zweiten Hälfte des Weges. Die perspektivischen Bilder zeigen die Zukunftsvision und die Fotos den realen Stand Anfang des Jahres 2020. Die offizielle Einweihung des Campus ist für November 2020 ins Auge gefasst.

Gegenüber, auf der nördlichen Seite der Nationalstraße Nr. 5 befindet sich ein Komplex von acht Wohnhäusern. Dieser „Annex“ soll für die Angestellten und Gäste des Campus hergerichtet und modernisiert werden. Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2020 beginnen. Beide Gelände, Campus und Annex, befinden sich im Eigentum der ländlichen Kommune von Siby. Die CAAS gGmbH hat ein unbefristetes Nutzungsrecht und zahlt der Gemeinde dafür eine symbolische Pacht.

Der Gouverneur der Region von Koulikoro – zu ihr gehört die Präfektur – autorisierte die Gründung des Zentrums in Siby im Februar 2018. Der Minister für Beschäftigung und Berufsbildung erteilte dem Zentrum im März 2018 seine offizielle Zustimmung.

Das CAAS soll in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten in Mali durch Lehre und praktische Versuche auf Feldern, in Ställen und Werkstätten die nachhaltige landwirtschaftliche Produktion qualitativ verbessern und quantitativ vermehren. Einfache Methoden der Aufbewahrung und Verarbeitung von Obst, Gemüse und Getreide sollen praktiziert und trainiert werden, um Versorgungsengpässen entgegen zu wirken und das Einkommen ländlicher Familien zu verbessern.  Das Zentrum soll auch in den weiteren ländlichen Raum und nicht nur in die unmittelbare Umgebung hineinwirken.

Die architektonische Planung liegt in den Händen des Münchener Büros Lampadius Schmidt Architekten (LSA)Die Bauarbeiten führt das malische Unternehmen Métal Soudan aus. Für die Haus- und Solar-Technik zeichnet das malisch-deutsche Unternehmen Yandalux verantwortlich.

Berufsbildung ist eine staatliche Aufgabe. Das CAAS untersteht in Mali dem Ministère de l’Emploi et de la Formation Professionnelle (Beschäftigung und Berufsbildung); Minister ist Maître Jean Claude Sidibé, einziger Christ im Kabinett. Ansprechpartner des CAAS im Ministerium ist Herr Yacouba Garba Maiga, conseiller technique. Wegen seines innovativen und  experimentellen Charakters  ist das CAAS nicht der direction nationale de la formation professionnelle zugeordnet, sondern direkt dem Ministerium.

Angesichts der Größe und Komplexität des Vorhabens wurde für den Aufbau des Zentrums eine gesonderte, unabhängige und gemeinnützige GmbH gegründet, die

Centre Agro-Alimentaire Siby (CAAS) gGmbH
– gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung –
Dr. Gunthard Weber
Schloßhof 6
D-69168 Wiesloch
info (at) caas-mali (punkt) de

 

Das CAAS Projekt-Team besteht aus:

Dr. Henner Papendieck,  Projektkoordinator. Entwicklungsökonom. 1994 bis 2011 Koordinator des Programm Mali-Nord (GIZ/KfW); 1982 bis 1988 Landesbeauftragter des DED in Ghana; zuvor, anschließend und zwischendurch entwicklungspolitischer Gutachter und Berater für BMZ, GIZ, KfW und andere.

Salaha Baby, Coordinateur national. Ingénieur agronome. 2000-2017 Mitarbeiter des Programms Mali-Nord, dort lange Jahre Leiter der Niederlassung in Diré und später nationaler Koordinator (ad interim).

Gründungsleiterin des Campus ist seit dem September 2019 Frau Sallimata Camara, einzige Frau im Gemeinderat der ländlichen Kommune von Siby und eine der Stellvertreter*innen des Bürgermeisters von Siby.

Dr. Gunthard Weber  Geschäftsführer der gGmbH und Projektkoordinator, Systemischer Berater und Therapeut; Gründer/Mitbegründer zahlreicher Gesellschaften und Institute der Systemtherapie. 2004 gründet er mit anderen nach einem Besuch in Mali den Verein Häuser der Hoffnung und engagiert sich dort seitdem für die Schul- und Berufsbildung. Ende 2017 gab er den Vorsitz des Vereins ab und widmet sich seitdem vornehmlich dem dem CAAS Siby.

Prof. Dr. Fritz B. Simon, Geschäftsführer der CAAS gGmbH, Professor für Führung und Organisation an der Universität Witten/Herdecke. Familientherapeut und systemischer Organisationsberater; Autor von über 25 Büchern. Mitgründer und Geschäftsführer des Carl-Auer Verlages und der Simon, Weber and Friends GmbH für Systemische Organisationsberatung.

Der gemeinnützige Verein Häuser der Hoffnung – Schulbildung für Afrika e.V.  ist einer der drei Gesellschafter der gGmbH. Häuser der Hoffnung e.V. (engerer Vorstand Dr. Gudrun Eisermann, Ulrike Dässler und Dr. Hermann Göbel) setzt sich seit 2004 für die Schul- und Berufsausbildung von Mädchen in Mali ein, um die Lebensverhältnisse von Frauen und deren Familien zu verbessern, unterhält seit 2004 in Bamako das Zentrum „Jigiya Bon“, ein Wohnheim für Schülerinnen und Auszubildende, betreibt ein Schneideratelier, vergibt Kleinkredite an Frauen und hat in einem Dorf eine Karitébutterfabrik und in fünf weiteren Dörfern Grundschulen gebaut.