Eine vertriebene Familie 

Yaya Traoré, geboren 1983 in San, in der Region von Ségou, ist verheiratet und Vater von sechs Kindern, 2 Jungen und 4 Mädchen. 

In San war Yaya Traoré chargeur de camion, LKW-Lader. Als Yaya Traoré vor zwei Jahren nach Kongola zog, fand er eine Tätigkeit als Gardien, „Wächter eines zwei Hektar großen Feldes“. Je ein Hektar für den Anbau von Mais und für den Gartenbau. Der Eigentümer der Felder lebt seit 23 Jahren mit seiner Familie in Italien. Aber seine Herkunftsfamilie lebt in Kongola. 

Yaya Traoré und seine Familie wohnen in einem Häuschen direkt neben dem Feld. Als Lohn erhält er monatlich 60.000 FCFA (90 Euro). Dafür bewirtschaftet er das Feld und den Garten. „Dieses Jahr habe ich 23 Sack Mais geerntet und viel Gemüse, leider nicht für uns sondern für die große Familie des Eigentümers.“

Yaya Traorés ältester Sohn ist 23 Jahre alt. Er ging zur Schule, musste die Schule aber abbrechen, weil das Geld fehlte. Seitdem arbeitet er als Tagelöhner auf den Feldern. 

Yaya Traorés Tochter Fatoumata ist 14 Jahre alt. In San, dem früheren Wohnort der Familie, besuchte sie die Schule bis zur 5. Klasse. Dann musste sie die Schule abbrechen, weil diese wegen der Dschihadisten schloss. Als die Familie nach Kongola floh, konnte sie den Schulbesuch nicht fortsetzen. Die nächstgelegene Schule war zu weit entfernt und die Kosten überstiegen die Möglichkeiten der Familie. Seitdem blieb sie zu Hause und half ihrer Mutter im Haushalt.

Yaya Traoré sagt: „Meine Arbeit als Knecht und Wächter gefällt mir nicht. Ich habe nur keine andere Wahl. Als Vater von sechs Kindern wünsche ich mir, dass wenigstens eine meiner Töchter oder einer meiner Söhne zur Schule geht. Heutzutage ist Schulbildung für Kinder unerlässlich.“

Seit Fatoumata von einer Spenderin ein Fahrrad bekommen hat, fährt sie täglich die drei Kilometer von ihrem Dorf zur Schule. Sie geht „richtig gerne zur Schule“. Von den 51 Schülerinnen und Schülern ihrer Klasse war sie unlängst die Drittbeste.

114 / März 2026