Madi Camara, 60 Jahre alt, ist verheiratet und Vater von 9 Kindern, 5 Jungen und 4 Mädchen. Eine staatliche Schule hat er nie besucht.
Mit 22 Jahren machte er sich auf, um eine Koranschule in Saudi-Arabien zu besuchen. Im Sudan angekommen, hielten die dortigen politischen Probleme ihn auf. Er blieb im Sudan und lernte „sechs Jahre lang den Koran“. Und zugleich erlernte er das Schmiede-Handwerk.
Danach kehrte Madi Camara nach Mali zurück und ging zu einem marabout in das Dorf Kole bei Kangaba, 25 km von seinem Heimatdorf Guéna entfernt. Dort blieb er drei Jahre lang.
Für Kost und Logis arbeitete er zwei Tage pro Woche auf dem Feld seines logeur und für den Unterricht einen Tag pro Woche auf dem Feld des marabout. An den restlichen Tagen studierte er den Koran. „Bald nach meiner Rückkehr nach Guéna wurde ich zum Imam gewählt.“
Die von Qatar vor Jahren finanzierte dörfliche Moschee bietet Platz für 60 Männer und 40 Frauen. Zu den täglichen Gebetsstunden (6:00,14:00,16:00,18:45, 20:00) kommen etwa 50 Männer und 20 bis 35 Frauen. Die meisten kommen zu zweit. „Wegen der Arbeit auf ihren Feldern kommen Frauen seltener zu den Gebeten am Nachmittag.“
Um die Reinigung der Moschee kümmern sich die Frauen des Dorfes.
Jeden Freitag füllt sich die Moschee bis auf den letzten Platz und selbst um die Moschee herum.
Das Handwerk, das Madi Camara im Sudan erlernt hat, übt er noch immer aus: „Ungefähr zehn Tage im Monat arbeite ich als Schmied und fertige oder flicke die Töpfe für meine Kundschaft.“
Der Imam wird nicht entlohnt, er verwaltet nur die Gemeindekasse. Am Freitag kann die bis zu 5.000 FCFA enthalten (€ 7,50).


